Turnierabwicklung mit Computer

Immer öfter wird die Listenführung bei Ringerturnieren mit der Hilfe von Computern abgewickelt. Roland Dörfler hat sich mit Klaus Armbruster über sein Turnierprogramm und seine Erfahrungen mit der EDV gestützten Durchführung von Ringerturnieren unterhalten.

 

Sehr geehrter Herr Armbruster, ich habe im Mai 1995 bei einem Nachwuchsturnier in Südbaden erstmalig ein Ringer-Wettkampfbüro mit einem 386er PC gesehen. Meine D-Jugendringer von damals sind inzwischen ihren Kinderschuhen entwachsen und starten bei den Männern. Gilt dies auch für ihre Turnierverwaltung? Antwort: Seit 1995 hat sich viel getan. Die Turnierverwaltung von heute ist nicht mehr vergleichbar mit den Funktionen die damals angeboten wurden. Sie ist wie die damaligen Sportler aus den Kinderschuhen schon längst rausgewachsen.

 

Arbeiten Sie noch immer mit der DOS-Version und den Hotkeys aus den 90er Jahren? Antwort: Die DOS-Version wurde schon im Sommer 1995 durch eine Windows-Version ersetzt. Aber die Hotkeys gibt es heute noch, wenn auch bei vielen Anwendern durch die Maus aus der Mode gekommen, erreicht man die größte Produktivität doch durch den Einsatz der Hotkeys.

 

Warum beginnen bei Ihnen die Turniere immer wenige Minuten nach dem Wiegeschluss und warum können Sie immer sofort die Turnierlisten mit den Sportlern aushängen? Antwort:

Ganz so schnell sind wir dann doch nicht. In der Regel ist das Erfassen der Teilnehmer kurz nach Ende des Wiegens abgeschlossen. Das Poolen und Paaren mit dem Drucken der Listen ist dann nach wenigen Minuten erledigt. Aber aus Sicherheitsgründen hat es sich als zweckmäßig erwiesen, alles noch einmal zu kontrollieren. Fehler die erst draußen entdeckt werden, machen im Wettkampfbüro doppelte Arbeit. Wenn das Team im Wettkampfbüro aber eingespielt ist, dann ist es schon möglich nach 10 Minuten die kompletten Listen rauszuhängen, und nach 30 Minuten mit dem Ringen zu beginnen.

 

Bedeutet dies, dass die Kampfrichter nicht umständlich anhand der Losnummern die Pool ausrechnen müssen? Antwort:  Losnummer werden bei uns schon lange keine mehr gezogen. Das erledigt das Programm. Zwar entspricht das nicht dem offiziellen Regelwerk, doch gab es damit bisher nie Probleme. Der Ablauf beim Erfassen wird damit deutlich verkürzt. Das Zufallsprinzip für die Aufteilung und die Reihenfolge in den Pools ist damit genauso sichergestellt.

 

Muss ich ein EDV-Genie sein, um die Erfassungsmasken und ausgefüllten Punktzettel richtig eingeben zu können? Antwort:  Das Bedienen der Software ist denkbar einfach. Eingegeben werden eigentlich nur noch die Punktezettel mit allen Wertungen. Gutes Wissen über Listenführung vereinfacht die Sache. Hat man das Wissen nicht selbst, sollte auf jeden Fall eine kompetente Person anwesend sein. Ein EDV-Genie muss man überhaupt nicht sein, aber auf eines kann nicht verzichtet werden. Man braucht, wie im Ringen selbst, ein gutes Training.

 

Dann muss ich also nicht bei identischen Siegen und Punktgleichheit  die gesamten Punktzettel mühevoll aufaddieren? Antwort: Alle Punktezettel sind vollständig in der Turnierdatenbank gespeichert und werden auch für die Platzierung herangezogen. In besonders kritischen Fällen liefert das Programm eine Platzierungsinformation. Das ist z.B. dann der Fall, wenn drei Ringer sich gegenseitig besiegt haben, und nur die Anzahl der höheren Wertungen ausschlaggebend ist.

 

 

Was ist Ihre Rekordbeteiligung von der Teilnehmerzahl her bei einem Ringerturnier? Antwort: Knapp über 300 die mit einem Rechner abgewickelt wurden. Das erfordert aber sehr flinke Hände beim Erfassen der Daten, und gutes Zuarbeiten, während des Turniers. Bei solchen Teilnehmerzahlen empfiehlt sich der Einsatz von zwei vernetzten Rechnern.

 

Wieviele Helfer haben Sie damals im Wettkampfbüro zusätzlich benötigt? Antwort:  Während der Erfassung der Teilnehmer und bis die Listen ausgedruckt und kontrolliert waren, waren es drei Helfer. Anschließend reicht ein Helfer aus. Wichtig ist, dass die Punktezettel unmittelbar nach Abschluss einer Gewichtsklasse wieder ins Wettkampfbüro zurückgebracht werden, und die neuen Turnierlisten auch gleich wieder in der Halle aufgehängt werden, damit auch die Betreuer sofort die Eingaben kontrollieren können.

 

Haben Sie auch schon eine DM als Listenführer durchgeführt? Antwort:  Mehrere! Den umfangreichsten Einsatz hatte ich hierbei bei der DM der Männer in Berghausen / Nordbaden im letzten Jahr. Dort wurde an jeder Matte ein Notebook platziert, das mit dem Wettkampfbüro vernetzt war. Über die Notebooks wurden sowohl die Punkte erfasst als auch die Zeit gemessen und angezeigt. Im Wettkampfbüro musste dann lediglich noch geprüft werden, ob die Eingabe auch mit dem manuell mitgeführten Punktzettel überein gestimmt haben. Mein besonderer Dank gilt hier dem KSV Berghausen, die dieses Experiment mit mir erfolgreich durchgeführt habt, wenngleich der offizielle Berichterstattung diese Details entgingen..

 

Wenn man unterschiedliche Turniere besucht, dann gibt es selbst in Deutschland länderspezifische Eigenheiten. In Bayern wird oft ein Überkreuzfinale gerungen, in Hessen gibt es F-Jugendklassen, in Norddeutschland werden oft ganze Altersklassen zusammengefügt und in Österreich gibt es abweichende Gewichtsklassen. Haben Sie diese verschiedenen Möglichkeiten berücksichtigt oder muss man sich an ein festgelegtes System halten? Antwort:

In der aktuell freigegeben Version wird das Poolsystem unterstürzt. Die Einteilung in Alters- und Gewichtsklassen ist beliebig. Inzwischen wurden auch einige regional verschieden Anforderungen eingebaut. Das bayerische Überkreuz-Finale, Nordisch bis 6 Teilnehmer oder die freie Gewichtsklassenzusammenstellung nach dem Erfassen des tatsächlich abgewogenen Körpergewichts sind optional einstellbar.

 

Wie teuer kommt eine Grundausstattung um ein Turnier mit Ihrem Programm durchzuführen? Muss ich mir einen guten Monitor, einen leistungsfähigen Rechner oder gar ein Netzwerk und mehrere schnelle Laserdrucker extra kaufen oder kann man dies für die Wettkampfdauer bei Ihnen leasen? Antwort:  Grundsätzlich eignet sich jeder heute gebräuchliche Windows – Rechner. Die Minialanforderung liegt bei 32 MB Hauptspeicher, 200 MHz Taktfrequen und ca. 40 MB freiem Festplattenplatz. Wenn es geht, sollte man jedoch schnellere Rechner nehmen, wobei ein Rechner ab ca. 500 MHz ausreichend ist. Viel wichtiger sind die eingesetzten Drucker. Ein Ringerturnier bedeutet für die eingesetzt Software und für die Geräte (Drucker) Stress pur. D.h. die Software und das Betriebssystem müssen stabil laufen und die Drucker zuverlässig und schnell drucken. Gemäß aktueller Marktpreise beginnt eine ausreichende Ausstattung damit bei ca. 1.500 Euro für Rechner inkl. Drucker.

 

Wie tief muss ich in die Tasche greifen, wenn ich nur die Software erwerben will? Die Software wird nicht mehr verkauft. Ich vermiete sie. Das funktioniert so: Sie interessieren sich für die Software und melden sich bei mir. Gegen 10 Euro erhalten Sie eine Demo-CD-ROM, oder sie registrieren sich in der Ringer – Liga – Datenbank (www.liga-db.de) und erhalten dort Zugriff zum Downloadbereich. Dort können Sie dann kostenlos die Demo-Version herunterladen und damit arbeiteten. Die Demoversion beinhaltet den vollständigen Funktionsumfang, ist zeitlich nicht begrenzt. Es können aber nur maximal 20 Teilnehmer damit verwaltet werden. Damit können Sie die Software erst mal ausgiebig prüfen. Sollten Sie sich dann entscheiden, ein Turnier damit durchzuführen, dann erhalten Sie von mir eine Lizenzdatei, mit der die Einschränkung auf 20 Teilnehmer aufgehoben ist. Ab diesem Augenblick kostet der Einsatz der Software dann 20 Cent / Teilnehmer. Zusätzlich verpflichtet sich der Anwender, mir die Turnierdatenbank zuzusenden. Die Ergebnisse werden dann im Internet veröffentlicht und die Datenbank wird archiviert. All das ist in den 20 Cent enthalten.

 

Haben Sie keine Angst, dass die Software ohne ihr Wissen eingesetzt wird, und die Gebühren nicht bezahlt werden? Antwort: Ausschließen kann ich das nicht. Aber das Problem besteht auch, wenn ich die Software verkaufe. Ich hoffe hier auf die Fairness der Ringergemeinde. Die Entwicklung der Anwendung hat mich bis heute über 2000 Stunden gekostet. Es sind noch viele zusätzliche Funktionen geplant. D.h. wir stehen eigentlich erst am Anfang. Die 20 Cent / Teilnehmer sind für mich die unbedingt notwendige Grundlage die Software auch weiterhin gut weiterzuentwickeln und zu warten. Außerdem ist darin auch der Service enthalten die Daten im Internet zu veröffentlichen

 

Bei internationalen Turnieren werden oft Beamer eingesetzt, damit auch der Zuschauer mitbekommt, welche Ringer auf welcher Matte gerade kämpfen. Können Sie dies auch anbieten? Antwort:   Natürlich. Die Anzeigesoftware für Beamer ist Bestandteil der Turnierverwaltung. Damit können Mattenbelegungen zwischen 1-5 Matten angezeigt werden. Ferner kann damit die Siegerehrung unterstützt werden. Im Modus Einzelkampf kann sogar die komplette Wettkampfanzeige (Namen, Vereine, Verband, Einzelpunkte, Punktestand und Zeit) damit abgewickelt werden. Die damit erfassten Daten sind selbstverständlich dann auch im Turnierprogramm registriert, so dass das Ergebnis nur noch geprüft werden muss.

 

Glaubt man den Aussagen einiger Anwender, dann ist ihr Programm hervorragend und sehr übersichtlich. Was glauben Sie ist der Grund hierfür? Antwort:   Das ist ganz einfach. Die Anwendung wird seit über 10 Jahre ständige weiterentwickelt. Die besten Ideen kommen immer aus der Praxis. Ich habe mir früh angewöhnt, möglichst oft andere Leute mit dem Programm arbeiten zu lassen und habe dann beobachtet, wie das Programm bedient wird und wo es Probleme gibt. Wenn man dann über den Tellerrand hinausschaut, kommen sehr gute Ideen zusammen. Die Idee, in die Turnierlist die Ergebnisse wie z.B. „SS 4:1“ und die Zeit „1:30“ einzutragen, hat mir Sportfreund Michel Lefebvre geliefert. Das gleichmäßige Aufteilen von Ringern des gleichen Vereins in A- und B- Pool habe ich von den Sportfreunden aus Nordbaden übernommen.

 

Können Sie nach Turnierende die Daten für alle teilnehmenden Vereine ausdrucken und wie lange benötigen Sie für die Vereinswertung? Antwort:  Es gibt verschieden Listen die nach Ende des Turniers mit der Eingabe des letzten Punktezettels sofort zur Verfügung stehen. Das ist die Siegerliste (Platzierungen der Teilnehmer), ggf. die komplett fertig ausgefüllten Turnierlisten, und die Mannschaftswertung. Außerdem können die Daten in verschiedenen Formaten (Fließtext für Zeitungsberichte, Tab-separierte Listen und HTML-Format) für die Weiterverarbeitung bereit gestellt werden.

 

Für wie viele Vereine / Landesverbände haben Sie schon eine Turnier-Datenbank mit den Siegerlisten veröffentlicht? Antwort: Innerhalb des letzten Jahres sind ca. 50 Turniere und Meisterschaften mit dem Programm durchgeführt worden, die auch über die Liga-Datenbank (www.liga-db.de) veröffentlicht wurden. Die Turniere fanden im Saarland, der Pfalz, Nordbaden, Nordrheinwestfalen, Sachsen, Bayern und natürlich meinem eigenen Verband Südbaden statt.

 

Wenn die Platzierungskriterien durch den DRB geändert werden, ist Ihr Programm dann hinfällig? Wie lange dauert es, bis ich wieder ein update erhalten kann? Antwort: Updates gibt es immer wieder, da es immer wieder Wünsche zur funktionellen Erweiterung gibt, Fehler korrigiert werden, oder einfach Verbesserungen in der Bedienung eingebaut werden.. Derzeit ist die Wunschliste für zusätzliche Funktionen etwa 30 Positionen lang, und sie wächst weiter mit jedem neuen Benutzer. Eine Regeländerung vom DRB ist innerhalb eines Monats aktiviert. Sollte jedoch das ganze Wettkampfsystem geändert werden, dauert das länger.

 

 

Und wie tief muss ich hierfür in die Tasche greifen? Antwort:

Updates selbst kosten nichts. Diese können ohne zusätzliche Kosten für registrierte Benutzer aus dem Download-Bereich der Liga-Datenbank herunter geladen werden. Auch dieser Dienst ist Bestandteil der 20 Cent pro Teilnehmer.

 

Klaus Armbruster ist erreichbar unter: 0781/53343 (Büro), 07832/969460 (privat), via E-Mail: KlausArmbruster@t-online.de. Mehr Informationen liefert die Internetseite: http://KlausArmbruster.bei.t-online.de

 

 

Verfasst von Roland Dörfler und Klaus Armbruster, Februar 2003
 

Veröffentlicht in "Der Ringer 02/03"